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Diskussion: e-Medien oder konventionelle Bücher?

Das e-Book wird das alte, konventionelle Buch niemals vertreiben können.

Meine Meinung ist über das ganze Thema sehr geteilt, denn es gibt viele positive, jedoch auch eine Menge negative Aspekte.

Da ich selbst in einer Bibliothek arbeite, bekomme ich die verstärkte Nutzung von e-Medien natürlich in seinem ganzen Ausmaß mit. Deswegen werde ich das ganze Thema mal aus der Sicht einer Bibliothek beschreiben und welche Auswirkungen das hat.

E-Medien umfassen natürlich ein großes Angebot, dazu gehören e-Books, e-Journals (Zeitschriften), e-Paper (Zeitungen), e-Audio, e-Video und e-Musik, diese sind natürlich alle online Verfügbar und für den Benutzer über die sogenannte „Onleihe“ erreichbar.

Ich fange einfach mal mit den positiven Aspekten aus Sicht der Benutzer an.
-E-Medien sind für die Benutzer immer und überall erreichbar, da sie online sind und unabhängig von den Öffnungszeiten verfügbar sind
-Die Rückgabe erfolgt immer automatisch, der Benutzer muss sich also nicht erst zur Bibliothek begeben und es können keine Mahngebühren entstehen
-E-Medien sind sehr Platz sparend, da viele Dateien auf einem Gerät verfügbar sind
-Der Download vom Server der Bibliothek ist legal

Und nun die Vorteile aus der Sicht der Bibliothek (zum Teil gilt das auch für den Buchhandel)
-Das Angebot wird schnell erweitert und neue Zielgruppen können hinzu gewonnen werden
-Zeitersparnis bei der Beratung und der Geschäftsgang an der Ausleihe entfällt
-E-Medien weisen keinerlei Verschleißspuren auf
-Kein Diebstahl möglich
-Zeitschriften und Zeitungen können Platz sparend auf Dauer archiviert werden
-Die Einarbeitung geht sehr schnell von statten

Nun kommen die negativen Aspekte aus Sicht der Benutzer
-Zum Download der e-Medien wird ein PC mit Internetanschluss benötigt
-Zur Zeit gibt es noch eine geringere Auswahl (im Buchhandel steigt sie ständig an und ist schon recht gut ausgebaut, in Bibliotheken jedoch ist die Auswahl noch recht gering)
-Es ist keine Verlängerung möglich, d.h. der Benutzer müsste sich das e-Medium neu per Onleihe ausleihen
-Es besteht nur eine kurze Ausleihfrist
-Die Geräte sind nicht immer mit dem e-Medium kompatibel

Die Nachteile der Bibliotheken (zum Teil gilt das auch für den Buchhandel)
-Dadurch, dass die Benutzer die e-Medien von zu Hause herunterladen können, kommen natürlich weniger Benutzer in die Bilbiothek/Buchhandlung
-Das Fachwissen ist bei den Mitarbeitern noch nicht allzu verbreitet (extra Schulungen sind nötig)
-Eventueller Personalabbau, da weniger Benutzer die Beratung in Anspruch nehmen und durch die Onleihe die konventionelle Ausleihe in Bibliotheken weniger gebraucht wird (bzw. die Kasse in Buchhandlungen)
-Es ist eine Etatverlagerung möglich, da auch für den Kauf von e-Medien Geld benötigt wird

Auch im Allgemeinen bieten e-Books jede Menge vor- und Nachteile

Vorteile:
-Platz sparend (kein Regal benötigt)
-Schnellere Aktualisierung von Daten (z.B. Lexika und Wörterbücher)
-In den USA sind Druckausgaben beispielsweise teurer, als die e-Book-Ausgaben (e-Books kosten dort immer 10 $)
-Es entstehen keine Lagerkosten für die Verleger
-Keine Lieferzeit -> schneller beim Kunden
-Es sind immer die aktuellsten Ausgaben verfügbar
-E-Medien können sowohl direkt im Buchhandel, als auch Online gekauft werden

Die Nachteile:
-Hohe Anschaffungskosten für den e-Book-Reader
-Reader sind sehr empfindlich und gehen schnell kaputt – Bücher dagegen sind resistenter 😉
-Die Reader sind nicht immer mit dem File kompatibel, es kommt also immer auf das Format an
-Das Gefühl, ein Buch in den Händen zu halten, ist nicht unbedingt vorhanden
-Es sind keine Spontankäufe möglich, wenn man den Reader nicht dabei hat
-Im Moment ist das Angebot noch sehr begrenzt
-Bei vielen Readern ist der Speicherplatz noch nicht erweiterbar, das heißt, wenn der Speicher voll ist, muss man entweder einen neuen Reader kaufen, oder sich von vorhandenen e-Books trennen

Im Großen und Ganzen sind e-Books sehr praktisch, da sie gerade durch den Speicherplatz einiges an Daten aufnehmen können.

Meine Meinung stellt sich trotzdem immer noch gänzlich gegen e-Books, denn für den privaten Gebrauch sind sie vollkommen schwachsinnig.

Studenten haben einen großen Nutzen an den e-Medien, da immer das aktuellste Material zur Verfügung stellt und jeder erinnert sich wahrscheinlich ungern an seine eigene Studienzeit, wie man dutzende von schweren Büchern aus der Bibliothek geschleppt hat.

Bei Privatpersonen würde mir zum Beispiel das „besitzen“ fehlen. Wer möchte schon gerne seinen Reader zeigen mit dem Kommentar „Schau mal! Da sind 3 GB Bücher drauf!“. Ein Regal voller Bücher ist da doch viel ansehnlicher =)

Auch was das Durchhaltevermögen betrifft, bevorzuge ich Bücher, denn wenn so ein Reader 1-2 Mal runter fällt, ist er kaputt. Bücher dagegen kriegen vielleicht einen Knick im Titelblatt, mehr aber auch nicht.

E-Books sind also schon ganz nett, werden aber die Bücher niemals vertreiben können.

[Little Dhampir, 08. August 2010]

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