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Lesung mit Andreas Fröhlich aus „Der Hobbit“

Hobbit-Lesung vom 19.01.2013 in der Centralstation in Darmstadt

Kurz nach dem großen Erfolg der Verfilmung von J.R.R. Tolkiens meisterhaften Roman „Der Hobbit“, welcher am 13.Dezember 2012 weltweit in den Kinos startete, begaben sich Synchron- und Hörbuchsprecher Andreas Fröhlich und der super-duper Literaturkritiker Denis Scheck (bekannt aus der ARD-Sendung „Druckfrisch“) auf Lesereise.
Auch in Darmstadt machten sie halt und es war natürlich ganz klar, dass wir da hin mussten!
Am 19.01.2013 um 18:30 Uhr standen wir also wieder einmal überpünktlich vor Saal 3 der Centralstation – und es stellte sich heraus, dass wir wieder einmal die ersten waren. Na toll! Einer der Veranstalter überredete uns daraufhin, schon einmal herein zu kommen – irgendjemand musste schließlich der Erste sein. Also waren das wieder mal wir… Direkt am Eingang hatte sich die Tolkien-Gesellschaft und eine unabhängige Buchhandlung (die laut Scheck nichts mit den Bösewichten aus Mordor (sprich den Buchhandelsketten Thalia und Hugendubel) zu tun hatten) postiert, um diverse Hobbit-Ausgaben und Tolkien-Gesellschafts-Goodies zu verkaufen.
Wir nahmen also auf unseren Plätzen in der ersten Reihe Platz und warteten… und warteten… und warteten… und dann schlug die Uhr endlich 19:30 Uhr und wir… warteten. Etwa 5 Minuten später kamen Andreas Fröhlich und Denis Scheck endlich auf die Bühne und setzten sich auf die für sie vorgesehenen Plätze.
Es begann also alles mit Smalltalk. Naja, wenn man Herrn Schecks teilweise hoch komplizierte Fragen als Smalltalk bezeichnen konnte. Scheck benutzte mehr Insider, als es einem normalen Gespräch gut tat, weswegen letztendlich keiner wusste, warum die beiden sich auf der Bühne scheckig lachten.
Interessant war es trotzdem, da Herr Fröhlich eine Menge übe seine Arbeit als Synchronsprecher berichtete. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass er der beim Herrn der Ringe die Regie über die Synchronaufnahmen geführt und die Texte ins Deutsche übersetzt hat. Besonders spannend beschrieb er den Prozess, wie der Film überhaupt ins Deutsche übersetzt wird. Dies geschieht bei den Peter Jackson-Filmen frühestens einen Monat vor Kino-Start, weswegen sich das gesamte Synchronstudio wirklich sputen muss. Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien sind die 4 großen Länder in Europa, die ihre Filme synchronisieren. Ein Kurier macht sich dem zufolge auf den Weg in eine Europäische Stadt (z.B. Paris), der Koffer mit EINER DVD des Filmes ist an sein Handgelenk gekettet. In der vorher bestimmten Stadt treffen sich der Kurier und die 4 Abgesandten Übersetzer in einem Hotel. Die DVD wird dann von Übersetzer zu Übersetzer gereicht. Jeder schießt sich dafür in sein Hotelzimmer ein und hat ganz 4 Stunden Zeit, die Dialoge im Film zu übersetzen und abzutippen. Bei einem 3 Stunden-Film nur 4 Stunden Zeit zu haben, diesen zu übersetzen, stelle ich mir extrem schwierig vor. Gerade beim Herrn der Ringe und beim Hobbit gibt es viele verschiedene und vorallem komplizierte Aussprachen, die das Ganze nicht gerade einfacher machen. Zusätzlich werden die übersetzten Stellen mit der Originalvorlage des jeweiligen Landes verglichen, damit die Sätze auch möglichst originalgetreu übernommen werden können.
Nachdem uns Andreas Fröhlich mit vielen Geschichten aus dem Synchronsprecher-Alltag und seiner großen Aufgabe, eine passende Stimme für Gollum zu finden (weswegen ihn seine Frau des Öfteren aus dem Bett geschmissen hat – verständlich oder? Wer möchte schon nachts im Dunkeln mit „Meeein Schaaaaaaatzzzzzzzz“ angezischt werden?) ging es endlich weiter mit der Lesung. Diese dauerte etwa eine ¾ Stunde und war einfach unglaublich. Er wählte das Kapitel Rätsel im Dunkeln (Krege-Ausgabe) / Rätsel in der Finsternis (Scherf-Ausgabe), in dem der kleine Hobbit Biblio Beutlin das erste Mal auf Gollum trifft und zugleich den Ring der Macht findet. Gelesen hat er dies mit verschiedenen Stimmen. Bilbo klang ähnlich wie im Film, Gollum sprach er in der aus den Filmen bekannten gruseligen Röchelstimme. WOW!

Im Anschluss hielten Fröhlich und Scheck noch eine Runde Smalltalk, in dem Scheck von seiner Auffassung des Hobbits und des Herrn der Ringe berichtete. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, den Herrn der Ringe mit dem zweiten Weltkriege zu vergleichen und den dunklen Herrscher Sauron mit Hitler gleich zu setzen. Aus dem Hobbit machte er einen Roman, in dem es um die grenzenlose Geldgier der Menschen (in diesem Fall Zwerge) geht. Naja, jedem das seine, mir die Kekse. Auch von seiner Ansicht, in Bibliotheken und Buchhandlungen sollte es nur noch zwei Genres – die realistischen Romane und die unrealistischen – geben kann ich absolut nicht zustimmen. Er war mir bereits in seiner Sendung „Druckfrisch“ immer sehr, sehr unsympathisch. Dass er aber im wahren Leben wirklich so geschwollen daher redet und mir sogar noch unsympathischer werden könnte hätte ich wahrlich nicht gedacht. Gerne hätte ich ihn eins mit meiner Hobbit-Ausgabe übergezogen, aber schade um das arme Buch…
Am Ende durfte das Publikum noch ein paar Fragen stellen, dann gab es Autogramme. Um Herrn Scheck machte ich einen großen Bogen (dürfen kleine unstudierte Hobby-Blogger eigentlich mit solch super-duper Literaturkritikern kommunizieren oder ist das wohlmöglich unter seinem Niveau?) und war sehr stolz, ein Autogramm von Andreas „Gollum“ Fröhlich in meiner brandneuen Hobbit-Ausgabe bekommen zu haben.
Was ich noch erwähnen möchte ist, dass Herr Scheck in den höchsten Tönen von „Das große Hobbit-Buch: Der komplette Text mit Kommentaren und Bildern“ von Douglas A. Anderson, erschienen im Piper-Verlag, geschwärmt hat. Ob ihm beim Lesen aufgefallen ist, dass eine Seite darin fehlt? Nein? Komisch, ist dies nicht ein Grund, dieses Buch in die Tonne zu werfen, wie er es sonst auch mit Büchern macht, die nicht seinem hochgestochenen Niveau entsprechen? Aber naja… Ich warte geduldig auf eine Neuauflage dieses Buches, welches auch die fehlende Seite enthält (es ist eine Frechheit, dass man sich die fehlende Seite „ausdrucken und ins Buch legen“ soll – und das bei einem Preis von 29,95€!).
Insgesamt war es ein schöner gelungener Abend, der teilweise durch das dämliche Geschwafel von Herrm Scheck (und vorallem seine Unhöflichkeit, da er Herrn Fröhlich immer wieder unterbrochen hat) gestört wurde. Es gibt so viele kompetentere Menschen, warum musste es genau er sein?
Aber Herr Fröhlich hat seine Sache wirklich gut gemeistert, die Lesung war ein Meisterwerk für sich und auch das, was er aus seinem Beruf erzählt hat, war unglaublich spannend.
Danke für den tollen Abend!

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