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Rocky Horror Allstars

Wir haben es tatsächlich getan… wir sind an den Arsch der Welt zurückgekehrt. Und dabei haben wir gelernt, dass Saarbrücken tatsächlich ein nettes Städtchen ist, auch wenn es drum herum an der Autobahn keinerlei Vegetation zu geben scheint. Mit einem lustigen Bild an der Scheibe, was die Saarbrückener allerdings nicht gerade lustig fanden (vor allem die Herrschaften von der Hotelrezeption), ging es also um 10 Uhr morgens in Richtung Saarland und unterwegs hatten Vrony und ich wieder genug Spaß für 10! Allerdings fing der Tag insgesamt nicht so gut an, wie wir es uns erhofft haben. Aus diesem Grund werde ich auch nicht nur über die Show schreiben, sondern auch über das Hotel, damit bloß niemand mehr den gleichen Fehler wie wir begeht.

Das Hotel des Grauens

Nachdem wir das Auto erst mal auf dem Parkplatz vor dem Hotel Continental abgestellt und eingecheckt
hatten, begann das Chaos. Erst einmal durften wir für 10 Minuten parken 2€ blechen – so viel bezahlt man nicht mal in Frankfurt! Dann ging es daran, in die Hoteleigene Garage zu fahren. Erwartet haben wir ein Parkhaus o.ä. – bekamen allerdings recht enge Garagen, in die sich jeweils 2 Autos quetschen mussten. Nun kam also ich Parkprofi daher und sollte in diese enge Garage in dieser engen Gase mit etwa 15cm hohen Borsteinkanten auf beiden Seiten unseren kleinen, süßen Swift unbeschadet hinein fahren, während drinnen schon ein fetter Schlitten gestanden hat, bei dem ein Kratzer bestimmt ein Vermögen gekostet hätte. Vor, zurück, vor, zurück, einlenken…
„Ähm… entschuldigen Sie? Könnten Sie mir bitte das Auto darein fahren?“
Ich habe mich auf das unterste Niveau herab gelassen und sofort den peinlichsten aller peinlichen Eindrücke beim Hotelpersonal hinterlassen. Ja, sie haben mir den Wagen eingeparkt und irgendwann stand er sicher in der Garage. Dann schnappten wir uns unsere Koffer und die Dame von der Hotelrezeption (sehr nett übrigens!) öffnete uns die Tür zum Aufzug. Wir stiegen ein, die Tür schloss sich und dann… steckten wir fest. Die Tasten reagierten nicht auf unser Drücken, es gab keinen Schalter zum Türöffnen, es war eng und wir bekamen Schweißausbrüche. Na super!
Nach eigenen Versuchen, die Tür wieder zu öffnen, betätigten wir schließlich den Notruf – und nach merkwürdigen Geräuschen von draußen setzte sich der Aufzug plötzlich ruckelnd und zuckend in Bewegung. Wir landeten schließlich statt im vierten im zweiten Stock. Die Tür ging auf und wir purzelten im Eiltempo heraus und stürzten auf die Treppe zu – hoppla, das Geländer war locker! – und rannten in den vierten Stock. Na das ging ja super los! Im Zimmer angekommen, sah alles auf den ersten Blick okay aus. Bis auf die Heizung, die war ein wenig vergammelt, aber naja… dann erweckte ein mysteriöses Schild an der Balkon-Tür unsere Aufmerksamkeit. Ein Blick auf diesen bestätigte das, was der Zettel vermuten ließ. Akute Einsturzgefahr! Öhm…? Dann stieß ich gegen das Bett und eine kleine Stange fiel aus der Mitte des Rahmens. Öhm…?! Vrony setzte sich daraufhin auf das Bett – und als ich dies ebenfalls tat, knarrte und krachte es. ÖHM…?!? Bei jeder Bewegung dachte man, es bricht gleich durch. Na, diese Nacht konnte ja heiter werden! Im Badezimmer war außerdem der Handtuchhalter kaputt, es gab keine Seife und die Dusche war ziemlich undicht… Warum wir dieses Hotel genommen haben? Es war das billigste (mit 91€ pro Nacht für ein Drei-Bett-Zimmer + 13€ Garage) und 2-Sterne-Hotels sollten ja eigentlich trotzdem noch okay sein. Mit so etwas habe ich jedoch nicht gerechnet. Uff! Ro tauchte dann übrigens einfach nicht auf. Nach einer kurzen Nachfrage stellte sich heraus, dass sie gerade auf dem großen Parkplatz vor dem Hotel steht und auf die Polizei wartet, da ihr irgend so ein Vollidiot den Spiegel kaputt gefahren hatte. Dieser Ausflug sah ganz und gar nicht gut aus! Wahrscheinlich würden wir am Abend doch noch Titanic spielen…

Die Stadt

Ich weiß, ich bezeichne Saarbrücken immer als den Arsch der Welt… Das liegt aber auch nur daran, dass es von Frankfurt aus gesehen auch der Arsch der Welt ist! Die Autobahn geht stur geradeaus, die Landschaft ist… naja… und wir müssen immer an diese eine Home24-Möbelwerbung denken, die ganz genau unsere Reaktion während der ersten Fahrt (ja, es gibt vor Saarbrücken wirklich Berge, die so ähnlich aussehen!!) ganz genau wiederspiegelt.
Naja, wie auch immer – eigentlich ist Saarbrücken ein ganz hübsches Städtchen. Als wir in die Stadt rein gefahren sind, sahen wir das Theaterschiff Maria-Helena bereits, haben es allerdings als alte Muffbude abgetan und gingen davon aus, dass dies nicht das Theaterschiff sein kann. Naja, falsch gedacht. Nach dem chaotischen Start machten wir uns also auf den Weg in die Innenstadt, die uns doch recht gut gefallen hat. Ro und ich wurden auch relativ schnell bei unserer Schuhsuche fündig (Awwww! Ich habe knallpinke Chucks gefunden!! Sie sind pure LIEBE!) und wir bummelten noch ein wenig umher. Die Europagalerie ist ein richtig hübsches Gebäude und beherbergt ein riesiges Einkaufszentrum. Doch der Hunger trieb uns auf Nahrungssuche und wir schauten bei einigen Restaurants, die wir in Seitengassen gefunden haben, vorbei. Die Preisklassen entsprachen jedoch nicht unseren Vorstellungen bzw. hatten die Restaurants geschlossen… Gnaa! Schließlich wurden wir bei Tante Maja, einem hübschen kleinen Restaurant fündig. Sehr faire Preise, eine hübsche Location und vor allem riesige Portionen! Uff! Tante Maja können wir wirklich jedem empfehlen, der einmal einen Ausflug nach Saarbrücken plant 😉
Danach sind wir weiter zur Saar geschlendert, um mal nachzuschauen, wo das Theaterschiff Maria-Helena denn rumschwimmt. Dort fand gerade der Soundcheck statt, woraufhin wir uns zu dem naheliegenden Spielplatz verkrümelt haben, um dort ein paar lustige Bilder zu machen. Wär das Wetter besser gewesen, wäre es am Saar-Ufer bestimmt richtig toll gewesen. Aber wir machten das Beste daraus, um nicht allzu sehr zu frieren. Danach ging es zurück in unsere Muffbude von Hotel. Auf dem Weg dahin stolperten wir (okay, es war Ro, die über den Stein flog) über das Rathaus von Saarbrücken. Was für ein Bau – wunderschön und vor allem sehr beeindruckend!

Rocky Horror Allstars

Kommen wir nun zum Grund, warum wir überhaupt nach Saarbrücken gefahren sind. Schließlich kann man ja auch in Frankfurt Schuhe kaufen. Das gut essen gehen ist wiederum schwierig, weswegen sich der Trip nach Saarbrücken diesbezüglich auf jeden Fall gelohnt hat. Um halb 7 tigerten wir also wieder zu unserem geliebten Spielplatz am Saar-Ufer und hockten uns dort auf eine Bank, weil es uns noch ein wenig früh erschien, um uns bereits vor das Theaterschiff zu stellen. Ein paar Peinlichkeiten und Lachanfälle später überlegten wir es uns schließlich doch anders, und gesellten uns zu der bereits wartenden Masse, die bereit war, den Kahn zu entern. Pünktlich um halb 8 war Einlass und alles stürmte hinein – wir natürlich nicht, ohne vorher noch Randy Diamond fast umzurennen…  Insgesamt bietet das Theaterschiff Maria-Helena Platz für 150 Leute – 110 waren da. Nachdem wir unsere Tickets bezahlt haben, waren wir allesamt ein wenig verwirrt. An den Seiten standen einige Tische mit Stühlen, mehr aber auch nicht. Wie da mehr als 100 Leute einen Sitzplatz finden sollten, war uns ein Rätsel. Dass wir noch einen Tisch ziemlich weit hinten ergattern konnten, war ziemliches Glück – das vor uns Leute an einem Stehtisch standen war da leider ziemlich kontraproduktiv.  Was allerdings dem Abend nichts geschadet hat, denn die sympathischen Menschen auf der Bühne können ja schließlich nichts dafür.
Um 8 Uhr gingen die Lichter aus und das Publikum versank in Dunkelheit, damit die Leute auf der Bühne uns auch unter gar keinen Umständen sehen können. Auf die Bühne kamen ein grandioser Randy Diamond (spielt in der Rocky Horror Show den Frank’n’Furter), ein gut gelaunter Andy Kuntz (Eddie) und eine bezaubernde Sue Lehmann (Columbia), sowie Günter Werno, der zusammen mit Andy Kuntz Piano Soul Bar ergibt und zugleich der Keyboarder der Prog-Metal-Band Vanden Plas ist. Ein paar nette Backgroundsängerinnen gesellten sich ebenfalls hinzu und los gings. Gesungen wurden u.a. international beliebte Songs wie beispielsweise ein Cover von „Too close“ von Alex Clare, bekannt aus der Internet Explorer-Werbung oder auch „Gethsemane“, dem epischen Song von Vanden Plas, der von Randy Diamond in einer atemberaubenden Version gesungen wurde. Während der Pause hatten wir das Glück, noch Autogramme von Randy Diamond und Günter Werno zu ergattern und waren stolz wie ein paar Schnitzel, während die beiden sich scheinbar sehr darüber gefreut haben. Nach der Pause folgen die Rocky Horror-Songs wie Eddies „Hot Patootie“, der „Time Warp“ und andere lustig Lieder, die man noch aus dem Theater kennt. Besonders beeindruckt hat mich der Auftritt von Burdette L. Becks II, den ich von der Ludus Danielis-DVD wieder erkannt habe. Dieser Mann spielt nicht nur unglaublich gut Querflöte, sondern hat auch eine richtig gute Stimme. Auch Randy Diamond muss man unbedingt hervorheben, da er einen immer wieder durch seine Vielfältigkeit überrascht. Leider war das Mikrofon von Andy Kuntz nicht richtig eingestellt, sodass wir ihn in unserer Ecke weiter hinten kaum bis fast gar nicht verstanden haben, wenn er geredet hat und auch der Gesang war eher leise. Sehr schade, da wir hauptsächlich wegen ihm da waren. Trotzdem hat er für Stimmung und einige Lacher gesorgt. Genauso auch Sue Lehmann, die dann plötzlich ihren Platz auf der Bühne nicht mehr verlassen konnte, da ihr Schuh in dieser feststeckte.

Sehr enttäuscht hat mich leider das Publikum. Es hat ein wenig an die „Ich stehe/sitze mit verschränkten Armen da und gucke grimmig aus der Wäsche“-Art der Frankfurter erinnert, die wir auch hier ziemlich zum Kotzen finden. Die Stimmung im Saal machen nicht nur die Musiker auf der Bühne, sondern auch das Publikum selbst. Das war leider ein wenig lahm, sodass auch die Motivationsversuche von der Bühne auf Dauer eher scheiterten.
Am Ende gab es noch ein Autogramm und ein ziemlich schlimmes Foto von und mit Andy Kuntz und total zufrieden verließen wir das Theaterschiff (bzw. stolperte ich mit dem Satz „Nun kann ich glücklich vom Boot fallen“ hinab).
Insgesamt war es trotz der kleinen  Pannen und des anfänglichen Chaos ein richtig schöner Abend, der viel zu schnell vorbei war.

Den Abend ließen wir bei Tante Maja ausklingen. Die Cocktails sind übrigens auch sehr empfehlenswert 😉

Am 28.04.2013 hat man noch einmal die Chance, die Show zu sehen – mehr Informationen gibt es HIER.

Fotos: Ro/Katja

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4 Kommentare

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  1. Die Pö

    Och schön, dass am Ende alles gut war und ihr einen schönen Abend hattet!

  2. MacBaylie

    Hey,

    klasse Bericht!
    Es sind doch immer wieder die kleinen Pannen, die einen zu solch tollen Erzählungen animieren – ansonsten hättest du nur halb so viel berichten können 😉
    Insgesamt doch ein gelungener Tag. 🙂

    Liebe Grüße
    MacBaylie

  3. Herba

    Hach ja, ich hab mittlerweile schon so viel gehört…vielleicht sollte ich auch mal wieder was Deutsches anschauen, statt die englischen Theater heimzusuchen 😉
    Auf jeden Fall toll, daß sich der Ausflug gelohnt hat!

  4. Beate Senft

    Das hört sich ja ziemlich chaotisch an. Wir waren am 30.12.11 bei einer Aufführung der Rocky Horror Picture Shpw in Mannheim. Da war die Hölle los. das Publikum war außer Rand und Band und wir haben alle kräftig mitgemacht. es war soooo toll. Die DVD haben wir schon so oft gesehen, dass mein Mann nur noch genervt ist und die Music-Cd läuft auch ständig. Schön, dass du genauso begeistert bist.

    Liebe Grüße
    Beate

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