«

»

Beitrag drucken

Im Wandel der Zeit

Gerade eben ist mir mal so richtig bewusst geworden, wie schnell die Zeit doch vergeht. Heute ist der 21. Juni 2013 und ich kann mich noch ganz genau an den 21. Juni 2008 erinnern. Ich stand mit meinem Freund und einem befreundeten Pärchen auf dem Feuertanz-Festival und machte mir (zwischen dem Kampf ums Überleben beim Auftritt von Fiddler’s Green und beim Rumhopsen beim ersten Nachtgeschrei-Konzert) Gedanken darüber, wie wohl alles in ein paar Jahren aussehen würde. Am Tag zuvor habe ich einen großen Schritt in Richtung Erwachsen werden gemacht, denn am 20. Juni 2008 hatte ich meinen allerletzten Schultag. Nachdem ich 2 Jahre lang meine Eltern angefleht habe, meinen eigenen Weg gehen zu dürfen, habe ich endlich den Schritt gewagt und habe mich erfolgreich um einen Ausbildungsplatz bemüht. Der 10. Klasse-Abschluss auf dem Gymnasium sah ja noch ganz ordentlich aus – die elfte Klasse und somit der Weg zum Abi gestalteten sich als äußerst schwierig. Ich war nie ein Mensch, der gut lernen konnte.

Ich habe mich trotzdem stets bemüht, aber meine Noten waren immer nur im Durchschnittsbereich. Ich konnte nichts sonderlich gut, weswegen die Zeugnisse auch immer nur mittelmäßig bis gut ausfielen. Die 11. Klasse zeigte mir allerdings, dass sich die Naturwissenschaften bei mir als echtes Problem erwiesen. Mathe – verstand ich nicht. Chemie. Physik. Chinesisch?! Biologie – häh?! Es regnete schlechte Noten, also beschloss ich, es bei meinem zufriedenstellenden 10. Klasse-Abschluss zu belassen. Ob das im Nachhinein so klug war, kann ich bis heute nicht sagen. Studieren wollte ich sowieso nie – gerade aus dem Grund, dass ich nicht lernen kann. Ich kann mir schlichtweg nichts merken. Und ganz egal, wie oft man mir Physik oder Chemie erklärte – ich habe es einfach nicht verstanden. Da fehlte mir scheinbar die nötige Gehirnzelle für. Mathe war die reinste Qual. Aber die Nachhilfe schaffte es letztendlich, dass ich trotzdem gerade so die 11. Klasse erfolgreich abschließen konnte. Der letzte Schultag hinterließ ein merkwürdiges Gefühl. Ich wusste ganz genau, dass ich all meine Freunde in die 12. Klasse entließ und sie ihr Leben ohne mich weiterführen würden. Sie würden mich einfach vergessen und weiterhin in die Schule gehen, Leistungskurse belegen, Kursfahrten machen und schließlich ihr Abitur absolvieren, einen großartigen Abiball verleben und sowohl die stressigste, aber wohl auch lustigste Zeit ihres Lebens haben. Wie ich im Nachhinein mitbekam, war dies tatsächlich der Fall, denn das Abitur scheint die Leute wirklich zusammen zu schweißen.
Am Tag darauf fuhren wir zu unserem ersten Festival. Dem Feuertanz, irgendwo in einem Kaff in Bayern. Es war ein unheimlich cooles Wochenende voller lustiger Erinnerungen – ich sage nur ‚Automatikauto ohne Saft‘.
Es folgten der Führerschein, die Ausbildung, die Zwischenprüfung, ein kaputtes Knie, der Blogaufbau, die tränenreiche Abschlussprüfung (Ja, ich gebs zu. Ich hab Wirtschaft und Soziales verkackt) und letztendlich das Abschlusszeugnis mit einer befristeten Übernahme. Die erste eigene Wohnung und somit auch die Rückkehr nach Frankfurt, der immer tiefere Einstieg in die – ich nenne es jetzt mal ganz vorsichtig – ‚Literaturszene‘, Blogger- und Autorenintrigen, dieses Jahr steht das 2. Fechenheimer Literaturfestival an, welches ich mit organisiere, ereignisreiche Buchmessen, zahlreiche Projekte wie die Phantastikinsel, die erste von Bloggern organisierte Blogtour (ich weiß, das ist heute nix besonderes mehr…), viele tolle Leute, und und und.
Und trotzdem merkt man immer wieder, wie vergänglich alles ist. Was am Anfang noch Spaß gemacht hat, wird irgendwann zu harter und nervenaufreibender Arbeit (Phantastikinsel, Literaturfestival), die Bekanntschaften ziehen vorbei und es sind nicht viele, die einen auf Dauer begleiten. Ich weiß nicht, wie viele Freundschaften in den letzten 23 Jahren entstanden und dann an Kleinigkeiten zerbrochen sind – seien es Missverständnisse, „ich sage dir mal ganz offen, was ich denke und meine es nicht böse“-Gespräche oder einfach das pure Auseinander leben. Wen kann man denn heutzutage noch die beste Freundin nennen, wenn man nicht mal sagen kann, dass diese Freundschaft länger als zwei oder drei Jahre anhalten wird? Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sich heutzutage schneller verändern und sich dadurch auch schneller aus den Augen verlieren – und dazu zähle ich mich auch. In der Schule – vor fünf Jahren – hätte ich es nicht mal gewagt zu denken, dass ich mich jemals mit einem Lehrer anlegen würde. In den letzten zwei Jahren meiner Ausbildung habe ich dies bei zwei Lehrern getan – und wenn ich jetzt daran zurück denke, muss ich feststellen, wie sehr ich mich selbst auch in den letzten fünf Jahren verändert habe. Ich glaube, dass ich ziemlich biestig und teilweise sehr zickig geworden bin. Früher hätte ich es nicht gewagt, jemals gegen jemanden aufzumucken oder mich zu wehren. Ich habe alles so hingenommen, wie es kam und habe mich nicht beschwert. Heute rege ich mich über jede Kleinigkeit auf und bin ein sehr impulsiver Mensch geworden – was natürlich auch nicht jedem passt. Ich hasse es, wenn ich nicht voraus planen kann. Ich muss alles organisiert haben. Wenn ich in den Urlaub fahre, studiere ich vorher einen Reiseführer, damit wir bloß nicht ziellos und vor allem planlos hin und her irren. Wenn eine Planung schief geht, verfalle ich in Panik und versuche, alle Möglichkeiten durchzugehen. Ohne Planung – ohne mich. Und trotzdem bin ich unheimlich spontan geworden. Manchmal muss das eben auch sein, um den Spaß am Leben nicht zu verlieren.
Natürlich gehört eine persönliche Entwicklung zum Menschsein dazu. Doch was ist, wenn man sich in die falsche Richtung entwickelt? Wenn man genau weiß, dass man nicht den Weg einschlägt, den man zu gehen wünscht? Kann man diese Entwicklung dann auch noch einmal umkehren oder zum Besseren wenden? Und auch wenn das Leben einem ständig einen Strich durch die Rechnung macht, einem Stolpersteine in den Weg legt und einem so manches Leid nicht ersparen kann – wann weiß man, dass es das Richtige ist, was man tut?
Wenn ich zu den letzten fünf Jahren zurück blicke, erschreckt es mich auf die eine oder andere Weise, wie viel sich doch verändert hat. Und wie sehr ich mich verändert habe. Vor genau fünf Jahren war ich vermutlich noch ein naives, 18Jahre altes Mädchen, dass sich nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht hat, welche Streiche einem das Leben noch spielen kann und wie sehr sich alles in dieser kurzen Zeit verändert. Manchmal sehne ich mich nach dieser Zeit zurück. Ich möchte gerne wieder Kind sein dürfen, ein halbwegs unbeschwertes Leben führen, wo nicht jeder Fehler, den man macht, gleich auf die Goldwaage gelegt wird.

Share and Enjoy:
  • Print
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Bookmarks
  • Add to favorites
Send to Kindle

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://little-dhampir.de/2013/06/21/im-wandel-der-zeit/

banner