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Hair

Titel: Hair
Aufgeführt im: Theater Augsburg / Freilichtbühne am Roten Tor vom 29.06. – 27.07.2013
Musikalische Leitung:
Eberhard Fritsche, Samuele Sgambaro (24. & 25.07.)
Inszenierung: Manfred Weiß
Bühne und Kostüme: Timo Dentler, Okarina Peter
Choreographie: Natalie Holtom
Dramaturgie: Juliane Votteler, Marlene Hahn

Berger: Andy Kuntz
Woof: Christopher  Busietta
Hud: Alvin Le-Bass
Claude: Ulrich Rechenbach
Jeanie: Lea Sophie  Salfeld
Dionne: Tertia Botha, Daniela Grubert (26.07.)
Crissy: Cathrin Lange
Sheila: Jeanette Claßen
Natalie: Veronika Hörmann
Mary: Laura Joeken
Linda: Stefanie Pütz
Stacy: Corinne Steudler
Karen: Antonia Welke
Walter: Philipp Büttner
Chico: Manuel Dengler
Paul: Christian Fröhlich
Rex: Nico Schweers
Extra-Tribe: Katrin Deller, Susanne Kapfer, Julia Koch, Stefan Scheidecker
Ballett des Theaters Augsburg: Stayce Camparo, Yvonne  Compana Martos, Ana Dordevic, Coco Mathieson, Janet Sartore, Ami Takazakura, Kelly Tipton, Jacob Bush, Riccardo  De Nigris, Joel Di Stefano, Nathan  Griswold, Patrick Howell, Piotr Klimczak, Theophilus  Veselý
Major: Matthias Ubert

DSCN0291Pünktlich um 21 Uhr begann am 27.07.2013 bei traumhaftem Wetter die letzte Vorstellung des Kultmusicals „Hair“, welches seit dem 29. Juni tausende von Menschen auf der Freilichtbühne am Roten Tor in Augsburg begeistert hat.
Zwei alte, bunt bemalte Busse, zwei große Gerüste inkl. diversen Hippie-Zubehör und ein schwarzer Pickup zierten die Bühne samt echten Rasen, die Wand dahinter war bunt wie ein Regenbogen bemalt. Militärisch anmutende Schilder auf der Empore der Freilichtbühne komplettierten das schon recht eindrucksvolle Bild.
Den Anfang machte direkt Dionne (Tertia Botha) auf einem der Busse stehend mit dem Song „Aquarius“, während die Hippies, die völlig im Zeichen des Wassermanns leben, fröhlich um sie herum auf der Bühne tanzten. Auch durch die nachfolgenden Lieder wurde die Flower Power der Hippies unglaublich gut rüber gebracht und man bekam als Zuschauer ein wenig das Gefühl, ebenfalls vollkommen zu gedröhnt zu sein. So ließ man sich relativ schnell in den Rausch der schrillen und mitreißenden Songs entführen und vor allem mitreißen. Als Berger (Andy Kuntz) die Bühne stürmte, lernten wir nach viel ‚Blabablub‘, auf welche Weise man seinen Namen ausspricht. Wer dachte, „Berger“ sei einfach nur „Berger“ liegt vollkommen daneben. Ausgesprochen wird es „Burger“ wie der „Hamburger“, der „Augsburger“ oder gar der „Bürgermeister“! Ein wenig unverständliches Gebrabbel folgte daraufhin und ich glaube, ich war nicht die Einzige mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf. Während Bergers Monolog und dem quietsche bunten Ensemble um ihn herum, schlich Claude (Ulrich Rechenbach), der junge Mann aus England, ein wenig verstört um die Meute herum. Als diese ihn entdeckt, nehmen sie ihm zunächst alles ab (das Portemonnaie landet z.B. im Vorderteil eines Borat-Anzugs… gruselig!) und ihn vollkommen auf den Arm (und das im wörtlichen Sinne). Sie zeigen ihm schließlich, wie sie leben, was sie ausmacht und wie sie zur derzeitigen Kriegssituation stehen. Es wird geraucht, getrunken und wild getanzt. Claude soll in den Kriegsdienst nach Vietnam eingezogen werden, doch er fürchtet sich davor und möchte viel lieber bei den friedliebenden Hippies bleiben. Doch trotzdem schafft er es nicht, seine Einberufung zu verbrennen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem er keine andere Wahl mehr hat und seiner Pflicht, für sein Land in den Krieg zu ziehen, nachgehen muss. Da können selbst die Hippies mit ihren Protesten nichts dagegen tun.

Dies ist die erste Vorstellung von „Hair“, welche ich gesehen habe, weswegen ich keinerlei Vergleichsmaterial habe. Allerdings hat mir hairdiese Interpretation von „Hair“ wirklich gut gefallen.
Neben der bunten Flower Power tauchen immer wieder ergreifende Rockballaden, wie z.B. gesungen von Sheila (Jeanette Claßen), Woof (Christopher Busietta) oder auch Jeanie (Lea Sophie Salfeld) auf, während Hud (Alvin Le-Bass) eher für die lustig-verrückten Nummern sorgt. Diese erzählen von Rassendiskriminierung, dem Vietnamkrieg, Drogenrausch und freier Liebe.
Eine der meiner Meinung nach besten Songs von „Hair“ war „Going down“ von Berger (Andy Kuntz), bei dem man zunächst hätte denken können, er singe einen Song seiner Prog-Metal-Band Vanden Plas. Kraftvoll und ergreifend schmetterte er dieses gewaltige Lied und sorgte damit definitiv für Gänsehaut. Nachdem ich mir eine ältere Version dieses Liedes angehört habe, wurde schnell klar, dass die Lieder auch auf ihre Sänger abgestimmt wurden, da in der Performance die musikalische Herkunft von Andy Kuntz keineswegs verleugnet werden konnte.
Ein weiteres persönliches Highlight meinerseits war der Song „Hair“. Mir war bereits eine Broadway-Version davon bekannt und es macht einfach immer wieder Spaß.
Auch Ulrich Reichenbach als Claude hat seine Rolle als Hauptperson des Stücksn unglaublich gut gemeistert (und bei meiner Begleitung für Schnappatmung gesorgt, hihi). Er fühlt sich unheimlich wohl bei den Hippies und trotzdem schließt er sich ihnen optisch nicht an, wodurch er immer wieder aus der Masse heraus sticht. Auch Cathrin Lange als Crissy, Lea Sophie Salfeld als Jeanie und vor allem Jeanette Claßen als Sheila (sie trug ein wunderschönes Kleid!) fielen immer wieder sehr positiv auf.
hair2Zu Beginn des zweiten Aktes war er bereits dunkel geworden und er begann mit dem Aufstieg eines großen leuchtenden Ballons und vielen bunten Lampions, auf dem immer wieder Bilder und kleine Filmchen gezeigt wurden. Das Potential der großen Freilichtbühne wurde vollkommen ausgenutzt – sei es durch an Wänden hinab und hinauf klettern, fahrende Fahrzeuge und Panzer auf der Empore oder auch der Brunnen direkt vor der Bühne, der nicht nur optisch recht hübsch war, sondern bei den Darstellern auch noch für Abkühlung sorgte.
Claudes Kriegseinsatz wurde dramatisch und optisch eindrucksvoll inszeniert und schließlich endete „Hair“ mit einem noch immer im Ohr nachhallenden Chor aus „Let the Sunshine in“.
Es folgte ein Medley, bei dem die Hauptdarsteller der Reihe nach noch einmal einen ihrer Songs performten und somit vom Publikum den vollkommen verdienten Einzelapplaus bekamen. Jeder von ihnen hat spürbar sein Bestes gegeben und ist in seiner bzw. ihrer Rolle vollkommen aufgeblüht. Dies komplettierten zusätzlich noch die liebevoll gestalteten Kostüme und die gute Laune, die auf der Bühne herrschte und das Ganze am Ende zu einer kleinen großen Party aufleben ließ.
Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und es hat uns richtig gut gefallen. Lustig waren auch einige der Anachronismen, die es im Originalstück von 1968 garantiert noch nicht gegeben hat (z.B. die Aussage „Ich bin Sailor Moon!“ oder der Borat-Anzug).
Während das Stück selbst vollkommen überzeugen konnte, ist allerdings das doch recht lahme Publikum zu bemängeln. Trotz mitreißender Musik konnte sich dieses nicht so recht zum Mitmachen animieren lassen und auch am Ende dauerte es recht lange, bis die Leute sich endlich mal erhoben, um dem wunderbaren Ensemble die Ehre zu erweisen.
Nichtsdestotrotz war es ein wundervoller Abend, der uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Hier findet ihr noch ein paar schöne Impressionen von „Hair“

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5 Kommentare

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  1. CasusAngelus

    Klingt nach einem tollen, abgedrehten Abend 😉
    Ist das tolle Kleid zufällig das orangene auf dem Gruppenfoto? 😉

    1. little_dhampir

      Jap, genau das ist es 😉

      1. CasusAngelus

        Das sieht wirklich hübsch aus 🙂

  2. E. L.

    HAIR? Das habe ich doch schon mal gehört. Ich kramte in meiner Plattensammlung und siehe da, eine polnische Langspielplatte von 1968 war noch da.
    Natürlich ist die Neuinzenierung temperamentvoller, farbenfroher, stimmungsvoller. Und wenn man live dabei ist, so wie littl dhampir, dann kommt mehr Stimmung auf und man ist mitten drin.
    Littl dhampir ist dieser Kommentar zu ,,HAIR“ gut gelungen und man spürt die Begeisterung von ihr.
    DANKE…..SUPER !!!!!

  3. diePoe

    Ich mag zwar Hair nicht so, aber jetzt summe ich doch wieder vor mich hin!

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