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The Rocky Horror Show

Inszenierung: Ingmar Otto
Musikalische Leitung: Damian Omansen
Bühnenbild: Florian Angerer
Kostüme: Nicola Stahl
Choreographie: Carmen Voigt
Aufführung vom 10.07. bis 12.08.2013 im Kammertheater in Karlsruhe

Janet: Sabine Ruflair
Brad: Björn Schäffer
Columbia: Andrea Graf
Magenta: Nici Neiss
Erzähler: Hans Rüdiger Kucich
Frank’n’Furter: Manuel Krstanovic
Rocky: Artur Molin
RiffRaff: Christian Ludwig
Live-Band: Edgy & the Fishnets


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Am 03.08.2013 haben wir uns eine Vorstellung der „Rocky Horror Show“ im Kammertheater in Karlsruhe angesehen. Ich sollte vorne weg dazu sagen, dass wir die Show dieses Jahr bereits im Staatstheater Saarbrücken gesehen haben (hier geht’s zum Bericht) und von der dortigen Vorstellung vollkommen begeistert waren. Dort wurde uns eine hochwertige Inszenierung geboten – und das inklusive einer hervorragenden Bühnenaufmachung. Wen es also stört, dass ich derart voreingenommen bin, sollte an dieser Stelle am besten aufhören, diesen Bericht zu lesen 😉
Mir ist vollkommen bewusst, dass man das Kammertheater in Karlsruhe auf keinen Fall mit dem Staatstheater Saarbrücken vergleichen kann. Allerdings erschien mir die Wahl des Kammertheaters als Location ein wenig missglückt, da diese einfach nicht den Platz und die Möglichkeiten bietet, die eine große Bühne wie die in Saarbrücken hat. Trotz beinahe familiärer Atmosphäre ist es ein wenig unpassend, ein großes Stück wie die „Rocky Horror Show“ dort aufzuführen. Aber nun genug über die Location gemeckert.
Im Großen und Ganzen hatten wir wieder viel Spaß bei der Show. Es gab einiges zum Lachen, jedoch auch einiges zum Stirnrunzeln.
Beim Eintreten ins Theater wurden wir von dem Brautpaar Betty und Ralf Hapshatt begrüßt, die uns dazu aufforderten, doch bitte mal lächelnd in die Kamera zu winken. Dieser Film wurde dann direkt vor der Show gezeigt und symbolisierte gemeinsam mit einem ersten Song von Magenta (Nici Neiss), die eine Kerze in einem kleinen Modell einer Kirche anzündete, die Hochzeitsszene und das Publikum begriff noch nicht so ganz, dass es bereits Zeit war, den Reis zu werfen. Das könnte auch an der recht mangelhaften Bildqualität des Videos gelegen haben.
Durch einige Fotos waren wir schon darauf vorbereitet, dass Frank’n’Furter (Manuel Krstanovic), RiffRaff (Christian Ludwig) und Magenta (Nici Neiss) statt ihrer gewohnten Haare überdimensionale Plastikteile auf dem Kopf trugen. Dadurch fielen sie auf jeden Fall auf! Jedoch haben die Frisuren eher an die Charaktere aus Dragon Ball Z erinnert und wir haben regelrecht darauf gewartet, dass Frank’n’Furter ein episches „Kame-hame-ha!“ von sich gibt.
Nach einer ¾ Stunde folgte bereits die Pause und das Theater wurde von den groben Überresten wierhs2 Klopapier, Konfetti und Reis befreit. Das ging uns alles doch ein wenig schnell und wir befürchteten schon, dass nach 1 ½ Stunden bereits das Ende der Vorstellung erreicht war. Tatsächlich ging die Show selbst letztendlich 1 ¾ Stunden + ¼ Stunde Pause, was jedoch trotzdem viel weniger war, als man es vielleicht von anderen Vorstellungen kennt. Einige Szenen wurden abgeändert, verkürzt (Eddies Tod wurde vollkommen umgeändert, denn er wurde nicht durch den Fleischwolf gedreht, sondern von vornherein zerhackt und ward nie wieder gesehen).
Der Erzähler (Hans Rüdiger Kucich) war scheinbar nicht wirklich auf die „Langweilig“-Rufe eingestellt, denn anfangs brachte ihn das völlig aus der Fassung und er konnte sich schier nicht mehr halten vor Lachen (es stand außerdem nichts auf unserem Handzettel, dass beim Erzähler die dafür typischen Sprüche gerufen werden sollten…). Hinter uns saß ein sehr aufgeweckter Junggesellinnenabschied samt Brautzilla mit einem unglaublich lauten und ausdauernden Organ, die es sich nicht nehmen ließ, die gesamte Laufzeit hindurch zu kreischen. Ob es nun ein „LAAAANGWEILIG“ oder sonstige dumme Kommentare zu den Darstellern waren – vor dieser Frau blieb auch gar niemand verschont. Schon gar nicht der Erzähler (unsere armen Ohren tun immer noch weh). Irgendwann fügte dieser in seinen hochtrabenden Erzähltext einen Kommentar, ob sie es denn wirklich so nötig hätte, mit ein, was das Publikum sehr erheiterte. Im Nachhinein sehe ich das jedoch als relativ unprofessionell an, da der Erzähler der „Rocky Horror Show“ stets einfach weiterreden und die Rufe aus dem Publikum vollkommen ignorieren sollte. Genau das ist ja das lustige an ihm! Er redet einfach weiter und lässt sich nicht beirren.
Frank’n’Furter (Manuel Krstanovic) hat seine Rolle zwar recht gut gespielt, war jedoch bedauerlicherweise nicht durchgehend tuntig genug. Und ist es nicht genau das, was ihn ausmacht?
Nici Neiss als Magenta ging zeitweilig ein wenig unter, während RiffRaff (Christian Ludwig) sehr oft die Aufmerksamkeit auf sich zog – zum Beispiel durch das merkwürdige dritte Bein, welches er jedoch wunderbar unter Kontrolle hatte. Warum er drei Beine hatte, konnten wir uns jedoch nicht erklären. Beide zusammen haben recht gut miteinander harmoniert und sahen nicht nur recht lustig aus – sie waren es auch.
Ganz im Gegenteil zu Janet (Sabine Ruflair) und Brad (Björn Schäffer) – diese beiden haben meiner Meinung nach nicht so wirklich gut zueinander gepasst. Allein vom optischen her war es nicht gerade ein schönes Bild. Janet war viel größer als Brad und dieser entsprach auch nicht gerade dem, wie man sich den jungen, schnuckeligen Brad vorstellt. Sabine Ruflair als Janet hingegen hat wunderbar gepasst und war von den beiden die deutlich stärkere Darstellerin, wenn nicht sogar die stärkste im ganzen Stück überhaupt.
LamasmitHütenEddie hat mich persönlich ein klein wenig enttäuscht. Aus „Hot Patootie“ wurde eine Rockabilly-Nummer (so sah er übrigens auch aus) und diese hat mir nicht so recht gefallen. Ich bevorzuge die rockigere Nummer von Andy Kuntz, der in Saarbrücken den Eddie verkörpert hat.
Rocky (Artur Molin) war ganz nett, war aber nicht abgespaced genug (von seiner nicht vorhandenen gigantischen Lanze ganz abgesehen – nicht, dass wir darauf Wert gelegt hätten, aber irgendwie ist es uns doch sofort aufgefallen).
Was wir von Columbia (Andrea Graf) halten sollten, ist uns noch immer nicht so ganz klar. Sie war auf jeden Fall ganz schön durch den Wind, hatte eine relativ nervige Art an sich und hat am Ende doch noch bewiesen, dass sie eine grandiose Sängerin ist.
Insgesamt hat die Show zwar Spaß gemacht und uns gut unterhalten, ist der „Rocky Horror Show“ aber nicht so ganz gerecht geworden. Die Requisiten wirkten teilweise ein wenig zu billig, die Bühnendeko war ein wenig langweilig und die Geschichte zu ausgedünnt. Die Devise „weniger ist mehr“ hat in diesem Fall nicht so recht funktioniert, hat aber trotzdem für eine angenehme Unterhaltung gesorgt.

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