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Richard III.

richard-banner„Richard III.“ (Originaltitel: „The Tragedy of King Richard the third“) ist ein Drama in fünf Akten und entstammt der Feder von William Shakespeare, der noch heute als einer der größten Dramatiker seiner Zeit gefeiert wird. Das Stück wurde im Jahre 1597 veröffentlicht. Uraufgeführt wurde es schließlich am 17. November 1633. Nun – fast 400 Jahre und zahlreiche Aufführungen später – kamen auch wir in den Genuss und haben es uns in den Trafalgar Studios in London angesehen. Richard III. wird dabei von keinem anderen als Martin Freeman gespielt, den man vor allem als Bilbo Beutlin in der „Hobbit“-Trilogie und als Dr. John Watson in der erfolgreichen BBC-Serie „Sherlock“ kennt. Shakespeare beschreibt Richard als hässlich, klein und missgebildet – naja, immerhin ist Martin Freeman nicht ganz so groß, den Rest übernahmen sein zugegebenermaßen grauenvoller Vollbart und die Kostümbildner.
Wenn man den Inhalt des Stückes kurz und prägnant zusammenfassen möchte, sieht das folgendermaßen aus:richard-banner2
Richard kündigt an, er wolle fortan ein Bösewicht werden, um die Herrschaft zu erlangen. Dabei hat er keine Hemmungen, alles und jeden aus dem Weg zu räumen, der sich ihm in den Weg stellt. Mit Hilfe von Gewalt und Mord erkämpft er sich den Weg hoch auf den Thron, ganz gleich, ob unter den Opfern nun Familienangehörige sind oder nicht. Doch es dauert nicht lange, bis seine Feinde erkennen, dass etwas gegen ihn unternommen werden muss.
Mit einer genaueren Zusammenfassung der Geschichte kann ich leider nicht dienen, denn ich habe die Vorlage nicht gelesen. Für das Stück wäre es allerdings besser gewesen. Wir haben mit vielem gerechnet, aber nicht mit einer modernen Interpretation der 70er Jahre und Militäruniformen. Die Bühnenaufmachung hat an ein Sitzungszimmer erinnert. Toilette und Aufzug inklusive. Als die Darsteller die Bühne betraten, trugen sie allesamt Gasmasken. Ein verstörender Anblick, wenn man sich innerlich auf ein Historiendrama à la Shakespeare eingestellt hat. Es folgte ein direkter Einstieg ins Geschehen und schnell erkannte ich mein großes Problem. Ich verstand kein einziges Wort. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, dass mir dieses Stück nicht allzu große Probleme bereiten sollte, nachdem ich in Arthur Miller’s „The Crucible“ so gut wie keine Probleme mit dem Verständnis der englischen Sprache hatte. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass Alt-Englisch für mich so schwer verständlich wäre. Dies machte das Stück zu einem ziemlich anstrengenden und teilweise auch sehr ermüdenden Erlebnis. Trotz des modernen Ambientes wurden die Originaltexte von Shakespeare verwendet, was angesichts der Tatsache, dass es sich dabei um ein Szenario aus den 70ern handelte, teils sehr unpassend war. Mal davon abgesehen, dass der Tower nur bis 1941 als Gefängnis diente, aber naja… (an dieser Stelle ist die „Liste der Gefangenen im Tower“ sehr zu empfehlen!)
An der Bühnendekoration wurde im Laufe des Stückes nicht allzu viel verändert, was nahtlose Übergänge möglich gemacht hat. Durch Licht-, Ton- und teils sogar Feuereffekte wurden diese wunderbar in Szene gesetzt. Um Richards Gedankengänge / Selbstgespräche zu verdeutlichen, wurden Freeze Frames eingesetzt, in denen die komplette Szene angehalten und verdunkelt wurde und nur Richard im Rampenlicht stand und geredet hat, während alle anderen Darsteller in ihren Bewegungen erstarrt sind. Dabei stellte er ab und an Kontakt zum Publikum her, sodass es oft den Anschein hatte, als würde er uns von seinen Gedanken und Plänen erzählen, wenn dem er immer wieder ins Publikum geschaut hat. Generell stand meistens Richard im Mittelpunkt des Geschehens und hatte definitiv die meisten Textpassagen. Unglücklicherweise kann ich nicht von den anderen Darstellern berichten, da ich absolut keinen Überblick hatte, wer eigentlich wer war, und dass, obwohl wir vorher versucht haben, sämtliche Familienzusammengehörigkeiten zu durchschauen. Da mir die anderen aber auch nicht durch außergewöhnliche Glanzleistung aufgefallen sind, kann ich mich ruhigen Gewissens auf Martin Freeman beschränken. Es war faszinierend, über welches Mimik- und Gestenspiel er verfügt. Wenn man den „Hobbit“ und „Sherlock“ gesehen hat, wird einem erst einmal so richtig bewusst, dass nicht Bilbo Beutlin oder John Watson in Richard III. stecken, sondern ein großer Anteil Martin Freeman in Bilbo und John. Durch seine Art hat er für so einige humorvolle Stellen gesorgt – sprich: auch wenn ich sonst nichts richard-banner3verstanden habe, hatte ich trotzdem ab und an etwas zu lachen. Doch durch die Tatsache, dass er einen so herrschsüchtigen und grausamen Mann spielt, kommen auch sehr ungewohnte Facetten zum Vorschein, die man ihm jedoch nicht immer so ganz abnehmen kann.
Es wurde bereits von vornherein gewarnt, dass die ersten drei Reihen in den Genuss von Kunstblutspritzern kommen kann. Tatsächlich gab es allerdings nur eine Szene, in der das Blut wirklich in diese Richtung gespritzt ist. Ansonsten hat es sich in Grenzen gehalten – von einer Aquarienszene, einem blutgetränkten Kopf (das war mir ehrlich gesagt zu viel!) und den letzten Szenen des Stückes mal abgesehen.
Leise Stimmungsmusik hat ab und an das Stück untermalt und manchmal wurde eine Textpassage gesungen.
Der für mich fesselndste Moment im ganzen Stück waren die letzten Szenen, als maskierte und schwer bewaffnete Scharfschützen von hinten in das Theater stürmten. Für einen Augenblick haben wir tatsächlich die Luft angehalten, da wir nicht so recht wussten, ob dies nun zum Stück gehört oder… naja. Das war zwar so ganz beeindruckend, passte aber trotzdem insgesamt nicht so ganz hinein.

Mal von den Verständnisproblemen abgesehen, kann ich leider nicht behaupten, dass mir dieses Stück in irgendeiner Art und Weise gefallen hat. Die Charaktere haben mich verwirrt und ich wusste meistens nicht, wer eigentlich wer ist, die moderne Version mit den alten Texten hat nicht zusammen gepasst und auch die schauspielerischen Leistungen konnten mich nicht gerade vom Hocker reißen. Martin Freeman hat seine Rolle als schreiender Giftzwerg zwar ganz gut gespielt, aber auch ihm konnte ich so einiges nicht abnehmen. Da es meiner Freundin jedoch recht gut gefallen hat, ist das natürlich alles auch Geschmackssache, weswegen sich jeder seine eigene Meinung bilden sollte.

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