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Vanden Plas in Weiher: „Drei Pfefferminzlikör bitte!“

logoEs gibt so Wochen, die sollte man aus dem Kalender streichen. Das war so eine Woche. Es hagelte schlechte Nachrichten, es donnerte gewaltig und ich konnte gar nicht genug schöne Dinge tun, um die vorangegangen Dinge erträglich zu machen. Als wir uns dann mal für 2 Stunden ins Kino in Distrikt 13 verzogen haben, um uns von Katniss Everdeen und vor allem Finnick Odair das Herz brechen zu lassen, folgte direkt danach der nächste Mist und selbst mein kleiner, frisch geschlüpfter Neffe konnte meine Laune nicht so wirklich bessern, während er Spaß daran hatte, mich ständig anzupupsen.
Am Freitag ging es dann zu einem Konzert von Vanden Plas, die es eigentlich immer wieder schaffen, mich cat-roaus jedem erdenklichen Tief zu holen. Nachdem ich vor ein paar Wochen ein ziemlich tolles Konzert von Staubkind erleben durfte (den Bericht dazu habe ich leider verpeilt…), habe ich ständig nur noch irgendwelche Kuschelrocknummern gehört, die auf Dauer langweilig wurden. Irgendwie kann ich mit dem ganzen Rumgeheule auf Dauer nichts mehr anfangen… Da kam mir das Konzert in Weiher natürlich gerade recht.
So fuhren wir also wieder einmal an den Arsch der Welt und landeten schließlich in einem kleinen, schnuckeligen Kuhkaff namens Weiher. Ich will mich eigentlich gar nicht beschweren, das absolut keiner mehr Bock hat, nach Frankfurt zu kommen. Wenn ich mir vorstelle, dass Bands wie Vanden Plas im Nachtleben oder dem sogar Bett spielen müssten, läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Wir brauchen definitiv mehr kleine und vor allem attraktive Clubs! Da fahre ich lieber mal ein oder zwei Stunden und kann den Abend dafür genießen, statt  an Sauerstoffmangel oder unter schlechter Lagerhallenatmosphäre leiden zu müssen.
vp1 Dass die Live Music Hall in Weiher klein sein sollte, wussten wir schon durch ein Telefonat mit dem Betreiber, aber dass sie SO klein ist, haben wir nicht geahnt. Im Grunde sieht sie aus wie ein größeres Wohnhaus. Unten drin ist eine Kneipe, oben ist ein für Veranstaltungen ausgebauter Raum mit einer unheimlich schön gestalteten Bar samt Schrägdach. Insgesamt unheimlich gemütlich! Auch die Preise an der Bar waren wirklich mehr als fair. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in einer schöneren Location gewesen zu sein. Witzig war, dass der Raum dermaßen hellhörig war, dass man selbst das Flüstern aus der hintersten Ecke gehört hat, wenn es ansonsten ruhig war.
Zunächst stellte es sich aber als Herausforderung raus, den Eingang zu finden. Als wir zunächst in die Kneipe im unteren Stockwerk kamen, wurden wir so richtig Dorf-like begrüßt. Alle starrten uns fragend an. Ro und ich hätten am liebsten sofort wieder das Weite gesucht – stattdessen haben wir mein Krümelmonster vorgeschickt, damit er fragt, wo wir hin müssen. Natürlich waren wir vollkommen falsch. Oben angekommen setzen wir uns direkt an die Bar und verließen unsere Plätze für den Rest vp2des Abends nicht mehr. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Konzert jemals komfortabler war (es sei denn, man sieht bei Nachtgeschrei-Konzerten wegen Krankheit in der Ecke zu sitzen als komfortabel an). Auf der Bühne standen bereits Liquid Horizon aus Mannheim und spielten eine halbe Ewigkeit. Sie waren ganz nett anzuhören und definitiv besser als die Schlager-Rocker aus Kaiserslautern, die im Juni als Vorband gespielt haben (mein Krümelmonster nimmt mir das immer noch übel…). Ich war ein klein wenig enttäuscht, da zuvor Neverdream als Supportband angekündigt waren (btw – das aktuelle Album „The Circle“ gibts auf ihrer Homepage zum kostenlosen Download! Die CD kann man bei der Band selbst bestellen (auf Wunsch auch signiert) und ist sehr empfehlenswert). Da diese allerdings extra aus Italien hätten anreisen müssen und die Live Music Hall nicht gerade aus allen Nähten platzte, kann ich mir durchaus vorstellen, dass sich das nicht wirklich gelohnt hätte. Wirklich viele Leute waren es nicht, schätzungsweise max. 80. Aber dadurch war der Raum auch nicht so überfüllt.
Die Pause nutzte Ro mal wieder zum shoppen – ich bin mir ziemlich sicher, dass sie bis auf die 1. FCK-CD jetzt Vp3alles an Merchandise besitzt, das je existiert hat. Auf den Hoodie warten wir noch immer vergebens. Ich habe es schon einmal geschrieben – das ist eine sehr, sehr tragische Marktlücke!
Um 22:15 Uhr kamen Vanden Plas auf die Bühne und begannen mit der „The Seraphic Clockwork“-Single „Holes in the sky“. Wie schon bei der Vorband war es sehr… laut. Es folgten weitere Klassiker wie „On my way to Jerusalem“ und „Far off grace“, ehe der „Netherworld“-Part des Konzerts folgte. Die Stimmung wurde mit jedem Lied lockerer und durch den Charme des Raumes herrschte eine richtig tolle Atmosphäre. Zwischendurch sorgte einer der Gäste an der Bar für den Lacher des Abends: Andy: „Das nächste Stück heißt…“ Gast: „Drei Pfefferminzlikör bitte!“ Durch die Hellhörigkeit des Raumes und die laute Stimme des Gastes, der sich über die Musik hinweg mir der Bardame verständigen wollte, dröhnte die Bestellung durch den ganzen Raum und sorgte für eine Menge Gelächter. Es hat aber auch einfach zu gut gepasst 😀setlist
Mein persönliches Highlight kam gegen Ende, denn „Silently“ ist so ein toller Song, der live noch viel besser wirkt. Zum Abschluss des Konzertes nach 1 1/2 Stunden spielten Vanden Plas „Postcard to God“ und ließen ein durchaus zufriedenes Publikum zurück. Die Zeit ging mal wieder viel zu schnell rum und wir konnten gar nicht so recht glauben, dass schon 1 1/2 Stunden vergangen waren, als die Band die Bühne verließ.
Mein Krümelmonster schien während des Konzertes darum gebangt zu haben, dass ich im Anschluss gleich wieder in meine „Das ist die schlimmste Woche meines Lebens“-Phase zurückfallen könnte, weswegen er mir direkt einen Apfelwein hinstellte. Alter Schwede… ich dachte immer, die Krone in Hattersheim würde den Apfelwein des Todes ausschenken – nach zweien ist dort nämlich Schluss. Nope, in Weiher braucht man nur einen und es wird ein lustiger Abend…
Insgesamt war es mal wieder ein richtig tolles Konzert mit guter Musik einer wundervollen Atmosphäre und übelst viel Spaß. Dadurch ist der ganze Mist der Woche in den Hintergrund gerückt und ich kann nun auf ein schönes Wochenende zurückblicken.
Außerdem gibt es einfach keinen Moment, in dem wir nicht furchtbar peinlich sind, und das macht das alles so besonders. Nicht wahr, Ro? ♥

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1 Kommentar

  1. E. L.

    Konzerte im kleineren Format können oftmals gemütlicher sein, als in riesig gefüllten Konzerthallen.
    Ja, die sogenannte “ Dorfjugend“ ist in manchen Dingen etwas schwermütig und müsste aus ihrer gewohnten Umgebung und dem gewohnten Tages/Abendablauf abweichen.
    Sonst toller Bericht, super Eindrücke!

Kommentare sind deaktiviert.

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