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Zum Tode von Aileen P. Roberts

Es ist nur noch eine Woche bis Weihnachten und eigentlich sollte man diese schöne Zeit des Jahres genießen. Doch am 17.12.2015 veröffentlichte der Goldmann Verlag eine sehr traurige Meldung, die besonders bei vielen LeserInnen aus dem deutschsprachigen Bereich für Bestürzung sorgt:

„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Die überraschende Nachricht vom Tod unserer Autorin Aileen P. Roberts hat uns schockiert und macht uns unendlich traurig. Aileen P. Roberts, die im wahren Leben Claudia Lössl hieß, feierte 2009 mit „Thondras Kinder“ ihren Durchbruch bei Goldmann. Mit ihren herausragenden Fantasy-Reihen „Weltennebel“, „Feenturm“, „Elvancor“ und „Weltenmagie“ erfreute sie sich einer großen Beliebtheit bei ihren Fans, für die sie immer ein offenes Ohr hatte. „Das Lied der Elfen“, der dritte Band der „Weltenmagie“-Reihe, ist erst im September erschienen. Unsere ganze Anteilnahme gehört ihrer Familie, der wir viel Kraft in diesen schweren Stunden wünschen. Unsere Gedanken sind bei ihnen.

Quelle:
Goldmann bei Facebook

Aileen P. Roberts, die mit bürgerlichen Namen Claudia Lössl heißt, wurde gerade einmal 40 Jahre alt. Mein aufrichtiges Beileid gilt der Familie und den Freunden der Autorin.
Fälle wie dieser führen mir immer wieder vor Augen, wie kostbar das Leben ist. Wie wertvoll jeder einzelne Tag ist, den wir mit unseren Liebsten verbringen. Kein Tag ist verschwendet, solange man dabei glücklich ist …

Ich habe Aileen P. Roberts nicht persönlich gekannt, allerdings habe ich im Juni 2012 ein sehr schönes Interview mit ihr geführt. Dabei ging es um das Thema „Zeitreise“ und ich habe auf der Phantastikinsel, dem kleinen Rezensionsportal, das ich damals geführt habe, eine Interview-Reihe mit diversen deutschen Zeitreise-Autoren veranstaltet. Nachdem die Seite Ende 2012 gehackt wurde, haben sich die Pforten der Phantastikinsel für immer geschlossen und alle Daten waren verloren. Doch in meinem Mailpostfach habe ich das Interview mit Aileen aufbewahrt und möchte es euch jetzt – zu ihren Ehren – noch einmal vorstellen. Dabei ging es um ihren Roman „Der Feenturm“, der im August 2012 bei Goldmann erschienen ist. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es richtig ist, dieses Interview besonders zum jetzigen Zeitpunkt noch einmal zu veröffentlichen. Allerdings glaube ich nicht, dass es jemals „den richtigen Augenblick“ geben wird. Ich möchte einfach kurz mit diesem kleinen Text an sie erinnern, einen Teil von ihr bewahren und ihr den Respekt zollen, den sie verdient.

Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Sie finden in einem alten Antiquariat ein altes, magisches Buch über das Mittelalter. Sie öffnen es und spüren einen plötzlichen Sog. Sie schließen die Augen. Als Sie sie wieder öffnen, befinden Sie sich mitten auf einem Markt im 14. Jahrhundert. Was ist Ihre erste Reaktion?

Wow, es klappt, wir Fantasyautoren sind doch nicht alle Spinner! Mittelalter, sehr spannend! Jetzt muss ich aber verdammt aufpassen, um nicht als Hexe verbrannt zu werden 😉

Wenn Sie in eine andere Epoche reisen könnten, welche wäre das und warum?
Ich denke, ich würde in die Kelten/Piktenzeit reisen, weil einfach niemand sicher weiß, wie die Menschen dort gelebt haben, und diese Epoche hat mich schon immer sehr gereizt. Vor allem könnte ich dann sehen, ob das, was ich mir für meinen Feenturm ausgedacht oder aus den wenigen historischen Quellen zusammengereimt habe, auch tatsächlich so war.

Wenn Sie eine historische Persönlichkeit treffen dürfen, welche wäre das?
Da gäbe es sehr viele Persönlichkeiten, mit denen es reizvoll wäre zu plaudern. Nicht zuletzt J.R.R. Tolkien, oder nachdem ich ja Schottlandfan bin, William Wallace, Robert the Bruce oder Bonnie Prince Charlie. Andererseits würde ich mich in Hinblick auf mein Buch vermutlich für irgendeinen keltischen Fürsten oder eine Fürstin entscheiden, die in der Zeit gelebt haben, als noch nichts dokumentiert wurde.

Was würden Sie mit dieser Persönlichkeit tun? Mittag essen? Über die damalige Zeit philosophieren?
Mittagessen ist immer gut 😉 aber auf jeden Fall dabei über die damalige Zeit sprechen, wie es war, in dieser Epoche zu leben. Außerdem fände ich es interessant herauszufinden, was jemand, der vor zweitausend Jahren gelebt hat, darüber denkt, wie sich unsere Welt entwickelt hat.

Glauben Sie, dass die Geschichte festgeschrieben ist, oder dass man sie verändern kann?
Grundsätzlich besitze ich schon die Fantasie, mir vorzustellen, dass man die Geschichte verändern kann. Wie das in der Realität durchführbar sein soll, kann ich allerdings auch nicht erklären. Andererseits bin ich der Meinung, wir Menschen nutzen so wenig von unserem Gehirn, dass wir vielleicht einfach zu eingeschränkt in unserem Denken sind, um bestimmte Dinge wirklich erfassen oder glauben zu können.

Würden Sie etwas verändern?
Die Versuchung wäre natürlich sehr sehr groß, aber die Frage ist, ob man damit wirklich etwas besser macht, und ich persönlich hätte keine Ahnung, wie die Auswirkungen sind. Da gibt es ja das berühmte Beispiel: Was wäre, wenn du in die Vergangenheit reist und deinen Urgroßvater umbringst? Eigentlich hättest du dann gar nicht reisen können, weil es dich ja gar nicht gibt …
Ein spannendes aber auch sehr verwirrendes Thema, und auch meine Protagonistin steht vor einem ähnlichen Problem, denn auch sie verändert ja durch ihre Zeitreise so einiges …

Worum geht es denn kurzgefasst in Ihrem Roman?
Um Dana, eine junge Frau aus Deutschland, die auf ihrer Rucksacktour durch die schottischen Highlands an einem alten Broch (Turm) auf den Geist der pitkischen Kriegerin Rionach trifft. Diese bittet sie, in die Vergangenheit zu reisen, um uraltes Unrecht wiedergutzumachen und Rionachs Tochter und ihren Mann vor einem grausamen Schicksal zu bewahren.

Liebe Aileen,
ich hoffe, es geht dir gut, dort, wo du jetzt bist. Ruhe in Frieden.

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1 Kommentar

  1. Britt

    Hallo,

    ich kannte Claudia und als die Nachricht von ihrem Tod rausging – wir haben uns wenige Tge zuvor noch auf Facebook unterhalten. Es ist so ungerecht.

    Ein sehr schönes Interview.

Kommentare sind deaktiviert.

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