Musikalisches Geblubber

Ich brauche Musik wie andere die Luft zum Atmen. Ohne Musik bin ich nicht vollständig. Ohne Musik funktioniere ich nicht. Und trotzdem renne ich zur Zeit von einer Enttäuschung in die nächste. Im letzten Jahr ging es sogar so weit, dass ich kaum noch Musik gehört habe, weil wirklich nur noch scheiße fabriziert wurde. Lieblose Kommerzalben, die einfach nur auf Profit aus sind und Bands, die mit ihrem Mainstream die Plattenfirmen glücklich wollen. Anders sein ist doch doof. Das hört ja die breite Masse nicht. Und schließlich muss man sich ja Schein… äh Unheilig als Vorbild nehmen. Ja, der hats geschafft. Der rockt den ZDF Fernsehgarten und die Shows von Carmen Nebel und bringt sogar 89jährige Omis dazu, rhythmisch den Takt mit zu klatschen. Man, du hast echt was geleistet! Hast dich früher als „Der Graf“ der schwarten Szene bezeichnet, deine Kontaktlinsen waren dein Markenzeichen. Nach dem Durchbruch hieß es „Ich bleibe mir selbst treu“ – ja, das sieht man. Als erstes flogen die Kontaktlinsen in den Mülleimer. Die geilen Beats von früher wurden gegen hirnlosen Schlager ausgetauscht. Super, du hast echt was erreicht! Aber hauptsache das Konto stimmt. Alex von Eisbrecher hat dies bei einem Konzert in Stuttgart mal sehr schön gesagt.
„Das Jahr lief für uns sehr gut. Es gab nur einen, der hatte mehr Erfolg. Er sieht aus wie ich, macht aber Schlager!“
Dann ging eine Band, die mir sehr am Herzen lag mit Unheilig auf Tour. Die Fans waren plötzlich stupide Mittvierziger, die nicht mal das Wort „Flyer“ richtig schreiben können. Nein, zu so etwas möchte ich nicht gehören. Versteht mich nicht falsch, ich gönne diesen Bands ihren Erfolg. Von irgendwas müssen die ja auch leben. Aber wie man von einer angesehenen Gothic-Band in die Schlagerschiene abrutschen kann, ist mir unbegreiflich.
2011 war echt nicht grade das beste Jahr. Meine Lieblingsband musste sich von seinem Sänger verabschieden, der aus persönlichen Gründen ausgestiegen ist. Die Angst um den Nachfolger war natürlich groß. Denn er hat sehr, sehr tiefe Fußstapfen hinterlassen und seine außergewöhnliche Stimme hat diese Band erst zu dem gemacht, was sie waren. Ein neuer Sänger wurde nun endlich gefunden und das erste Lied gefiel mir doch recht gut. Es ist diese typische Metal-Stimme, die viele Metal-Bands aufweisen können. Nichts großartig besonderes, aber doch recht nett. Das Album war dann allerdings doch… nun ja, anders. Für mich ist das nicht mehr die Band, die ich jahrelang so gerne gehört habe. Ich möchte nicht sagen, dass das Album nicht gut ist. Aber es berührt mich einfach nicht mehr. Ich höre Musik immer sehr intensiv, oft ist sie mir ein Trost, Nervennahrung oder ich höre sie einfach zum puren Vergnügen. Aber diese CD reißt mich absolut nicht mit. Die Spannungskurve ist konstant auf einer Ebene, es hört sich in meinen Ohren alles gleich an und ist nicht mehr das, was man gewohnt ist. Ein Sänger-Wechsel ist immer schwierig, aber wenn man mich als Hörerin nicht mehr erreichen kann, weiß ich nicht, ob ich das noch hören möchte. Das erste Livekonzert war für mich eher ein Desaster. Ich habe die Konzerte dieser Band nie als normale Konzerte angesehen, sondern eher als lustiges Beieinander sein mit Freunden, Spaß haben und sich mal so richtig austoben zu Musik, die einfach mitreißt und Lust zum Tanzen macht (wer mich kennt weiß: ich tanze sonst NIE!). Nicht zu vergessen: Arschpogo!
Doch beim letzten Konzert habe ich das getan, was ich noch nie getan habe. Ich bin raus gegangen. Der Club war vollkommen überfüllt, was einfach unverantwortlich vom Veranstalter war, Sauerstoff war so gut wie gar nicht vorhanden und nach einer Minute in diesem Raum lief einem der Schweiß schon den Rücken hinunter. Und die Performance auf der Bühne… langweilte mich zu Tode. Vier Lieder ertrug ich, dann widmete ich mich lieber einer Cola weit weg an der Oberfläche der Location, wo ich das nicht hören musste. Ich habe viel darüber nachgedacht, woran es liegen könnte, dass es mir einfach nicht gefällt. Es gefällt schließlich jedem anderen. Ich kann ja nicht mal genau sagen, was mich an dem neuen Album stört. Es verwirrt mich und macht mich auch irgendwie traurig, da ich immer sehr an dieser Musik gehangen habe und sehr viele schöne Momente damit verbinde. Meine Freundinnen habe ich fast alle durch Bands kennengelernt. Ob 30 Seconds to Mars oder Vanden Plas – Musik ist nicht einfach nur ein rhythmisches hin und her schaukeln und lustige Töne von sich geben. Sie verbindet auch.
Zum Glück gibt es im Moment nicht nur musikalische Tiefpunkte. Ich habe Anfang des Jahres eine Band kennengelernt, wie ich es noch nie erlebt habe. Der Sänger hat eine dermaßen bemerkenswerte Stimme, die mir sofort ins Herz geht. Wenn ich schlecht gelaunt oder traurig bin, brauche ich nur seine Stimme hören und schon wird alles irgendwie… besser. Es löst nicht meine Probleme, aber es fühlt sich besser an und macht so manche Situation erträglicher. Ich weiß nicht, was ich die letzten 23 Jahre ohne diese Band getan habe. Natürlich hat sie nicht nur Top-Alben, gerade die ersten sind in meinen Ohren beinahe unerträglich, aber über die Jahre hat sich diese Band zu einer Perfektion hoch gearbeitet, wie ich es selten erlebt habe. Und auch nach über 20 Jahren Bandgeschichte sind sie weder abgehoben, noch sonst irgendwie abgedreht. Was man leider von 30 Seconds to Mars nicht behaupten kann. Was man da in letzter Zeit für Kuriositäten hört, ist wirklich nicht mehr schön.
Nun habe ich mir meinen gesamten musikalischen Frust von der Seele geschrieben, und trotzdem bin ich zu keinem Schluss gekommen, warum alles so ist, wie es ist. Meine Abneigung gegen meine ehemalige Lieblingsband kann ich noch immer nicht erklären. Dass ich mich vom Geschmack her verändert habe, kann ich nicht unbedingt sagen. Nur weil ich jetzt auch Prog-Metal höre, mag ich trotzdem noch den guten alten Folk-Rock und gerade Bands wie Saltatio Mortis gehen immer.

Im Grunde ist dies auch nur ein kleiner „sich von der Seele schreiben“-Post, wie ich es auf diesem Blog eigentlich nie tun wollte. Aber mein Blog ist eben meine Spielwiese, auf der ich mich austoben kann und ich möchte mich nicht länger einschränken.

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1 Kommentar

    • Melissa on 26. April 2013 at 20:56

    Ich erlebe Musik nicht so intensiv wie du, aber ich kann dennoch gut verstehen, was du meinst. Es klingt irgendwie albern, aber ich finde wirklich, dass die Musik in den letzten 10 Jahren merklich schlechter, kommerzieller, kurzlebiger geworden ist. Das ist wirklich schade und ich tue mich schwer, das neue Zeig, vor allem im Radio, wirklich zu mögen…

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