Ein Traum geht in Erfül- oh! Schon vorbei!

Oder auch: Wie man Fans ihren wertvollsten Moment versaut.

mars

So mancher mag sich jetzt fragen, was dies für ein bescheuerter Titel für einen Blogbeitrag ist. Doch ich habe diesen ganz bewusst gewählt, denn ganz genau so fühlt es sich an. Das Ganze ist jetzt drei Tage her und ich dachte in der Nacht zum Freitag noch: „Naja, irgendwann wirst du schon noch austicken, weil du endlich realisierst, was da eigentlich passiert ist.“ So langsam habe ich jedoch das Gefühl, dass dieser Moment nicht kommen wird und irgendwie enttäuscht mich das gerade maßlos.

Ich bin nun schon seit 7 Jahren ein ziemlich großer Fan von 30 Seconds to Mars. Mit dieser Band verbinde ich unheimlich viel. Viele schöne Momente und Ereignisse, traurige Momente, Freundschaften und unvergessliche Konzerte. Ich bin nicht der Typ, der unkontrolliert anfängt zu kreischen, sobald irgendjemand Bekanntes irgendwo auftaucht, aber selbst ich bekomme Herzflattern, sobald Jared Leto die Bühne betritt 😛
Nun ja, am Donnerstag ging es dann also zu meinem vierten Konzert und ich habe mich wie immermars2 tierisch darauf gefreut. Nachdem das letzte Konzert, auf dem ich vor 2 Jahren war, leider nicht soooo gut war, war ich umso neugieriger. Wir hatten unheimlich coole Sitzplätze (direkt auf dem Rang neben der Bühne in der ersten Reihe) und eine super Aussicht. Aus diesem Grund mussten wir uns auch nicht so beeilen. Auf den großen Leinwänden wurde die ganze Zeit über Werbung für das neue Album „Love, Lust, Faith + Dreams“ gemacht und dass man die Möglichkeit habe, sich dieses nach der Show signieren zu lassen. WTF?! Das sind so Dinge, die ich niemals für möglich halten würde, weswegen wir uns auch gar keine Hoffnungen darauf machten.
DSCN0552Die Vorband You me at Six war überraschend nett, doch wie Frauen nun mal so sind nutzten wir die Zeit lieber, um nochmal das Frisch-Mach-Zimmer zu besuchen und den jetzt leeren Merch-Stand aufzusuchen. Meine Neugier war geweckt, also fragte ich einfach mal, wo denn die Autogrammstunde stattfinden sollte. Wir wurden an den CD-Stand verwiesen. Dort erklärte uns der freundliche Herr, man könne bei ihm solche Mars-Tütchen kaufen, die das neue Album und ein Bändchen beinhalten, das uns später den Zugang zur Autogrammstunde ermöglichen würde. Und das Ganze für 25€. Da man für ein Mars-Autogramm und ein liebloses Foto normalerweise ein Goldticket für über 400€ kaufen muss (sorry, aber wer das macht, hat echt nicht mehr alle Latten am Zaun!), war dies natürlich ein absolutes Schnäppchen, was ich mir nicht entgehen lassen konnte! Sobald ich das Bändchen am Arm hatte, begann ich auf meine eigene Art durchzudrehen (ich begann also zu zittern und zu sagen „Oh Gott! Ich werde Jared LetoDSCN0593 treffen! Oh Gott! Oh Gott!“). Naja, nachdem wir an unsere Plätze zurückgekehrt und die Vorband die Bühne verlassen hatte, warteten wir noch eine halbe Stunde und schon kamen Mars auf die Bühne. Vielleicht lag es u.a. auch daran, dass wir halbwegs bequeme Sitzplätze hatten, aber die Wartezeit ging diesmal viel schneller rum als sonst. Mars betraten um 21:15 Uhr die Bühne und das übliche Gekreische ging los. Das werde ich wohl nie nachvollziehen können, aber was solls. Was Mars uns auf der Bühne boten, war wirklich überraschend. Die Jungs waren ohne Frage gut drauf, aber Jared schmetterte nicht mal annähernd so viele dämliche Sprüche, wie wir es von ihm gewohnt sind und er sang auch größtenteils seine Texte selbst. „End of all days“ wurde akustisch vorgetragen, genauso wie auch „Hurricane“. Als er begann, „Capricorn“ akustisch zu spielen, brummelten einige Leute mit, aber über den meisten Köpfen stand ein großes Fragezeichen. Das bemerkte auch Jared und er brach das Lied ab. Öhm?! Er erklärte daraufhin, dass „Love, Lust, DSCN0527Faith + Dreams“ schon das vierte Album sei. Die meisten scheinen sie also erst sei „This is war“ zu kennen und haben zumindest das erste Album „30 Seconds to Mars“ so ziemlich ignoriert (dabei ist das eine richtig, richtig geile Scheibe!). Also ging es mit bekannteren Songs und einer richtig coolen Bühnenshow weiter. 1 ½ Stunden dauerte das Ganze und wurde wie immer mit einer sehr schönen Performance von „Kings & Queens“ beendet. Meine Freundin musste zurück zu Mann und Kind, weswegen ich mich alleine auf die Suche nach dem Sammelplatz machte, wo wir abgeholt werden sollten. Schließlich landeten wir alle am Mischpult und… woah! Wie viele hunderte von diesen exklusiven Tüten hatten die denn verkauft?! Das Chaos nahm seinen Lauf… Ich hatte einige sehr nervöse Frauen um mich herum stehen, die es nicht mal schafften, die Folie von ihren CDs zu entfernen und ich half ihnen dabei, diese abzupulen und ihr Booklet heraus zu ziehen, denn auch dazu waren sie nicht mehr in der Lage. Ja, ich war aufgeregt, aber irgendwie hatte ich schon im Gefühl, dass das das alles ziemlich… schlimm werden würde. Ich hasse es, wenn ich Recht habe!
Wir wurden in 40er-Gruppen durch die Tür geschoben. Ich hatte das Pech, dass das Mädel neben mirDSCN0556 und ich die letzten waren, woraufhin uns ein Schrank von einem Gorilla ins Ohr brüllte. Was genau das war, wusste ich nicht mehr, da mein Trommelfell zu explodieren drohte und ich mir die Ohren zu hielt. Sofort wünschte ich mir den humorvollen und freundlichen Security-Mann zurück, der die Tür von unserem Rang bewacht hatte. Wir wurden also über das halbe Messegelände gescheucht und landeten schließlich am Eingang der Messe, wo sich eine riesige Schlange tummelte, die darauf warteten, dass die Jungs kamen und ihre CDs signierten. Gefühlt stand dort die Hälfte der Festhallenbesucher. Oh man! An den Seiten postierten sich alle paar Meter grimmig blickende Security-Männer, die dreinblickten, als ständen sie direkt an der Kriegsfront. Weiter vorne machte eine scheinbar gut gelaunte Security-Dame Atemübungen mit den Mädels. Wir DSCN0558selbst benahmen uns meines Erachtens allesamt sehr gesittet. Natürlich waren wir aufgeregt. Kicherten. Erzählten uns lustige Dinge von vergangenen Mars-Konzerten. Spekulierten über das Verhalten der Sicherheitsgorillas. Einige machten Fotos von der Menge, in der Hoffnung, einen Blick auf die Band zu erhaschen. Als diese ankam, johlen ein paar Leute auf. Nichts Dramatisches. Sobald eine Kamera nach oben ging, brüllten die Security-Kerle irgendwelche unverständlichen Dinge. Irgendwann wagte es das Mädchen neben mir, ein Foto zu machen. Wäre ich nicht vor Schreck nach hinten (insofern das möglich war) zurück gewichen, hätte mich der Gorilla wahrscheinlich mit seinem gesamten Gewicht erschlagen, während er das Mädchen in einer ohrenbetäubenden Lautstärke anbrüllte, sie habe gefälligst keine Fotos zu machen. ÄH?! Die Frauen hinter uns regten sich daraufhin tierisch auf, dass man in Köln bis einen Meter vor die Band Fotos hätte machen dürfen. Ich verstehe auch das Problem nicht so ganz… Naja. Als wir schließlich fast an der Reihe waren, brüllten die aggressiven Kerle rum, dass wir gefälligst die Booklets aus den Hüllen zu nehmen haben. Jemand fragte, ob sie nicht einfach auf die CD unterschreiben lassen dürfe.mars3 Daraufhin wurde sie angefaucht, dass würden sie nicht machen. Nach gefühlten drei Sekunden Ruhe brüllten sie wieder rum. „WER EIN FOTO MACHT FLIEGT GANZ RAUS!“ Jaja, ist ja gut!! Sie achteten penibel darauf, dass auch niemand eine Kamera oder ein Handy in der Hand hatte, während man an der Band vorbei ging. Dann war es so weit. Ich war an der Reihe. Ich musste mein Booklet hinschmeißen. Shannon schmierte ein S drauf, Tomo ein T, der schob es weiter und hätte Jared seine Hand nicht drauf geschlagen, wäre mein Booklet wahrscheinlich aus der Tür geflogen, die direkt im Anschluss ins Freie führte. Hatte ich erwähnt, dass man vorwärts geschoben wurde und keine Chance hatte, irgendetwas zu tun. (Atmen zum Beispiel?)
Booklet nehmen. Raus.
Öhm. Wie? Schon vorbei? Das Ganze dauerte schätzungsweise maximal 3 Sekunden. Die drei Mädels, die ich in der Schlange kennengelernt hatte, brachen draußen erstmal total glücklich zusammen. Ich stand wie bedeppert einfach da und dachte mir „Hä?“
Und nein, es ist bis heute noch nicht in meinem Spatzenhirn angekommen, dass ich in Windeseile an der Band vorbei geschubst wurde, die seit 7 Jahren ein fester Bestandteil meines Lebens ist und deren Musik mir unheimlich viel bedeutet. Irgendwie ist es jetzt im Nachhinein ein sehr deprimierender Gedanke, weil ich mich noch immer nicht so recht darüber freuen kann, da die Security-Männer uns einfach bescheiden behandelt haben und die gesamte Organisation einfach miserabel war. Es waren viel zu viele Menschen (da steckt wahrscheinlich die Profit-Gier der Veranstalter dahinter…) und es ist irgendwie ein schlimmer Gedanke, dass man den Fans diese eigentlich großartige Möglichkeit gibt und sie ihnen derart versaut.

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2 Kommentare

    • diepoe on 10. November 2013 at 18:50

    Also eher 3 seconds to Mars 🙁 Schade, dass es so gelaufen ist.
    Und übrigens finde ich 30Seconds to Mars sogar besser als die anderen Alben.

    • Herba on 11. November 2013 at 07:32

    🙁 Das klingt ja wirklich gruselig 🙁

Kommentare sind deaktiviert.